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Über Corona hinausdenken

Mitten in der diesjährigen Fastenzeit hat uns alle der Corona-Virus eingeholt und nötigt uns zu einer ganz neuen Art des Fastens. Ist es traditionell der Verzicht auf Fleisch, in letzter Jahren bei vielen auch der Verzicht auf Genussmittel wie ...

... Alkohol, Kaffee, Zigaretten oder Süßigkeiten, so ist es in diesem Jahr wohl das „Freizeit-Fasten für alle“. Gleichgültig ob Sport, Kultur oder Restaurantbesuche; vieles ist einfach in Zeiten von Corona nicht möglich. Auch unsere Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen müssen bis auf weiteres ausfallen.

Die damit verbundene Verlangsamung hat zwei Seiten. Natürlich werden wir Manches schmerzlich vermissen, vielleicht uns manchmal auch gegenseitig auf die Nerven gehen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Entschleunigung, die unserer ganzen Gesellschaft jetzt aufgezwungen wird, auch ihre guten Seiten hat. Denn klagen wir nicht schon immer, dass unser Leben eigentlich viel zu schnell, zu fordernd, zu anstrengend ist? Zumindest wir in der Kirche haben uns schon immer wieder mal überlegt, wie es wäre, wenn es eine Art Veranstaltungsfasten geben würde Wenn wir nicht von einem Ereignis zum anderen rennen, sondern stattdessen einmal zur Ruhe und „zur Besinnung kommen“ würden.

So betrachtet kann diese Krise auch zur Chance werden. Wenn wir die Gelegenheit nutzen, um über ganz anderes als nur über diesen Virus nachzudenken. Wenn wir uns fragen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Das war zu allen Zeiten der Sinn des Fastens: Zum Leben mit allem seinen Aktivitäten und seiner Unruhe, mit all seinen Wünschen und Begehrlichkeiten einen gewissen Abstand zu bekommen. Zu fragen, woraus und wofür ich lebe - um dann vielleicht festzustellen: Ich brauche gar nicht so viel, ich kann eine Zeit lang auch ganz gut ohne …  Verzichten, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist.

„Meine Seele ist stille zu Gott“. Der Beter des Psalm 62 weiß, dass seine Seele der Ruhe bedarf und der Rücksichtnahme. Und er weiß um den Ort, wo seine Seele Ruhe findet: „Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung“, so heißt es im weiteren Fortgang des Psalm. Der Beter tritt heraus aus seinem hektischen und unruhigen Leben, hinein in die Stille vor Gott. Dort denkt er über sich und die Menschen nach und stellt fest; „Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde.“

Solche produktive Stille wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für diese Tage der aufgezwungenen Ruhe.

Und bleiben Sie gesund!

Ihr Pfarrer Karlheinz Hering.